MARAMaßnahmenorientiertes Assessment für Risiko und Absicherung
Arbeitskreis Lieferantensicherheit

Hoffen Sie noch – oder wissen Sie schon, wie sicher Ihre Lieferkette ist?

MARA – das Maßnahmenorientierte Assessment für Risiko und Absicherung – ist ein offener, kostenfreier Bewertungsrahmen für die risikoorientierte Bewertung von Lieferanten. Entwickelt von Praktikern aus Auftraggeber- und Lieferantensicht, getragen von Verbänden.

152Anforderungen – nie alle auf einmal
1 + 9Basismodul und Fachmodule
105 + 105Kompensationsmaßnahmen für AG und AN
CC BY 4.0kostenfrei und herstellerneutral
Wofür MARA geschaffen wurde

Viel Aufwand auf beiden Seiten. Aber nicht mehr Sicherheit.

Auftraggeber unterhalten individuell gewachsene Fragebögen. Lieferanten beantworten vergleichbare Sachverhalte gegenüber jedem Kunden erneut – in anderer Form, mit anderen Nachweisen, nach anderen Maßstäben. Der Aufwand steigt, die Aussagekraft nicht.

Die Sicht des Lieferanten

500 Kunden × 200 Fragen = 100.000 Fragen

Großteils dieselben Themen – jedes Mal anders formuliert und anders bewertet. Jede Stunde dafür fehlt in der eigenen Sicherheit und landet im Preis.

Die Sicht des Auftraggebers

100 Lieferanten × 200 Antworten = 20.000 Antworten
davon 10 % nicht akzeptabel = 2.000 Findings

Findings verschwinden nicht von selbst: Sie müssen bewertet, nachverfolgt und überwacht werden – Lieferant für Lieferant, Jahr für Jahr.

Beispielrechnungen zur Veranschaulichung.

Ein endlos langer, gefalteter Fragebogen
Für den Auftraggeber ist es ein Fragebogen. Für den Lieferanten der hundertste.

Der Umfang eines Fragebogens ist kein Qualitätsmerkmal.

Pflicht ohne Standard

Alle verlangen eine Bewertung. Keiner sagt, wie.

Die Regulierung macht Lieferkettensicherheit zur Pflicht – und das zu Recht. Doch keine Vorschrift gibt einen gemeinsamen Maßstab vor. Auch die guten Handreichungen des BSI sind Anleitungen für den eigenen Fragebogen. Das Ergebnis: Jeder baut seinen eigenen. Tausendfach.

  • § 30 Abs. 2 Nr. 4 BSIGNIS-2Sicherheit der Lieferkette als Teil der Risikomanagementpflichten
  • Anhang Nr. 5DVO (EU) 2024/2690Konkretisierung für digitale Dienste wie Cloud, Rechenzentren und MSP
  • Art. 28DORAIKT-Drittparteienrisiko: Bewertung, Vertrag, Überwachung
  • HerstellerCyber Resilience Actwirkt auf Software- und Hardwarelieferanten
  • Art. 28 Abs. 1DSGVOhinreichende Garantien des Auftragsverarbeiters

MARA liefert den fehlenden gemeinsamen Maßstab – nachvollziehbar, risikobasiert und verhältnismäßig.

Die Idee

Einmal prüfen. Mehrfach nutzen.

Was wäre, wenn jeder Lieferant seine Sicherheit nur einmal nachweisen müsste – und jeder Kunde die Antwort sofort versteht? Wie bei der Hauptuntersuchung beim Auto: ein gemeinsamer Prüfmaßstab, einmal geprüft, von allen verstanden.

Statt 100.000 Fragen: höchstens 152. Einmal beantwortet. Und davon werden nur die gestellt, die zur Lieferantenbeziehung und zur bezogenen Leistung passen.
So funktioniert MARA

Was MARA anders macht

1

Beziehung statt Unternehmen

Die Kritikalität der konkreten Lieferantenbeziehung bestimmt Prüfumfang und Prüftiefe. Derselbe Dienstleister kann für die Kantine unkritisch und für die Domain-Administration hochkritisch sein.

2

Organisation getrennt von Leistung

Ein Basismodul bewertet den Dienstleister, neun Fachmodule die konkret bezogene Leistung – von Software über Fernzugriff bis Rechenzentrum.

3

Zweifach reduziert

Kritikalität und Anwendungscheck lassen nur die relevanten Fragen übrig. Niemand beantwortet Fragen, die nicht zu seiner Leistung passen.

4

Vom Befund zur Lösung

Zu jeder Anforderung sind Nachweise und Kompensationsmaßnahmen für Auftraggeber und Auftragnehmer hinterlegt.

Kein „bestanden“ oder „nicht bestanden“: MARA liefert die Informationsgrundlage – die Risikoentscheidung trifft der Auftraggeber.

Der Ablauf in neun Schritten

Schritte 1 bis 4 legen den Prüfumfang fest, die Schritte 5 und 6 bewerten, die Schritte 7 bis 9 führen zur dokumentierten Risikoentscheidung.

Neun Schritte: Lieferantenbeziehung festlegen, Kritikalität bestimmen, Prüfumfang bestimmen, Module auswählen, Assessment durchführen, Ergebnisse bewerten, Abweichungen identifizieren, Kompensationsmaßnahmen festlegen, Risikoentscheidung treffen

Kritikalität bestimmt Umfang und Tiefe

Neun Kriterien – von der Bedeutung für Geschäftsprozesse über Datenzugriff und technische Zugriffsrechte bis zur Migrationsfähigkeit – werden je Beziehung als gering, mittel oder hoch eingestuft. Maßgeblich ist die höchste Stufe, die mindestens zwei Kriterien erreichen.

KritikalitätFragen im BasismodulPrüfumfangPrüftiefe
gering14nur kritische AnforderungenSelf-Assessment
mittel26kritische und wesentliche Anforderungenvalidiertes Assessment
hoch44alle AnforderungenAudit mit Interviews und Stichproben

Basismodul plus neun Fachmodule

Das Basismodul ist immer Bestandteil. Welche Fachmodule hinzukommen, entscheidet ein Anwendungscheck mit einer einfachen Frage je Modul – etwa: „Besteht ein Fernzugriff auf Systeme des Auftraggebers?“

Basismodul DienstleistersicherheitGovernance, Identitäten, Patches, Backup, Incident- und Notfallmanagement, Lieferanten, Datenschutz …
44
ADatenverarbeitung und -speicherung11
BSoftware24
CPlattform, Infrastruktur, Basisdienste14
DNetzwerk und Kommunikation11
EZutritt5
FFernzugriff5
GRechenzentrum13
HHardware14
IIT-Operations11

152 Anforderungen gesamt – jede wird grundsätzlich nur einmal geprüft.

Reifegrad statt Ja/Nein

Je mehr ein Dienstleister vorsorgt, desto unwahrscheinlicher wird ein erfolgreicher Angriff über ihn. Deshalb fragt MARA nicht nur, ob etwas existiert, sondern wie weit es ist: vier je Frage fachlich ausformulierte Stufen von A bis D. Mindestgrad ist C – alles darunter ist eine Abweichung.

Gerechnet wird Stufe mal Gewichtung. Die Ampel richtet sich nach der Kritikalität – und Grün gibt es nur, wenn keine kritische Anforderung offen ist. Eine gute Gesamtpunktzahl kann eine Lücke also nicht verdecken.

A0 Punkte
B1 Punkt
C2 Punkte
D3 Punkte

Vom Befund zur Risikoentscheidung

105 + 105

Kompensationsmaßnahmen

für Auftraggeber und Auftragnehmer – präventiv, detektiv, korrektiv, wiederherstellend, jeweils mit Einstufung und Restrisiko.

Beispiel Fernzugriff

Der Dienstleister greift von einem nicht verwalteten Gerät zu: Der Auftraggeber erzwingt eine Gerätebindung am Zugangsgateway, der Auftragnehmer trennt Konten und Profile je Kunde.

Dokumentierte Entscheidung

Akzeptieren, akzeptieren mit Maßnahmen, zusätzliche Prüfung – oder das Risiko muss behandelt werden. Kompensation ändert die Bewertung nicht, sie senkt das Restrisiko.

Anerkennen statt wiederholen

MARA konkurriert nicht mit bestehenden Standards – es rechnet sie an. Passender Geltungsbereich, Gültigkeit und unabhängige Prüfung vorausgesetzt, führen anerkannte Nachweise zu Stufe C. Stufe D wird nie allein aus einem Zertifikat abgeleitet.

Basismodul

ISO/IEC 27001 · TISAX (mind. AL2) · ISO 27001 auf Basis von IT-Grundschutz; ausgewählte Themen ergänzend über ISO 22301, ISO/IEC 42001, ISO/IEC 27701

Rechenzentrum

EN 50600 · TSI.STANDARD

IT-Operations

ISO/IEC 20000-1

Was MARA bringt

Ein Maßstab, von dem jeder etwas hat

  • Weniger Prüfaufwand – auf beiden Seiten
  • Verhältnismäßigkeit, wie sie die Regulierung verlangt
  • Vergleichbare Ergebnisse statt hundert Formaten
  • Konkrete Maßnahmen statt bloßer Befunde
  • Anrechnung vorhandener Zertifikate statt Doppelprüfung
  • Ein Assessment bis zu drei Jahre für mehrere Auftraggeber nutzbar

Auftraggeber

vergleichbare, risikobasierte Ergebnisse und eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage

Auftragnehmer

einmal antworten, mehrfach nutzen – nur Fragen, die zur eigenen Leistung passen

Auditoren

eine gemeinsame, offene Prüfmethodik

Verbände

ein branchenübergreifender Maßstab für ihre Mitglieder

Beratungen

eine belastbare Grundlage für Lieferantenprogramme

Softwareanbieter

ein offenes Format zur Integration – ein maschinenlesbares Format ist vorgesehen

Der Arbeitskreis Lieferantensicherheit

Von Praktikern, nicht vom Reißbrett

MARA ist im Arbeitskreis Lieferantensicherheit entstanden – getragen von der CISO Alliance e.V. und dem IBCRM e.V. Hier haben Sicherheitsverantwortliche von Auftraggebern und Dienstleistern, Auditoren und Beratende jede Anforderung, jede Gewichtung und jede Kompensationsmaßnahme gemeinsam erarbeitet.

Der Arbeitskreis ist die Plattform für die Beteiligung weiterer Verbände, Behörden, Hochschulen und Fachleute. Er wertet Rückmeldungen aus, entscheidet über Änderungen in einem geregelten Verfahren und veröffentlicht neue Versionen in der Regel jährlich.

  • Fachlich, nicht interessengeleitetMitwirkende legen wirtschaftliche Einzelinteressen offen; nichts wird auf einzelne Produkte zugeschnitten.
  • BranchenübergreifendDie breite Zusammensetzung verhindert, dass MARA nur eine Perspektive abbildet.
  • Kontrolliert weiterentwickeltNeue Anforderungen müssen notwendig, überschneidungsfrei und nützlich sein.
  • OffenDie Inhalte stehen unter CC BY 4.0 – kostenfrei, auch kommerziell nutzbar.

Getragen von

  • CISO Alliance e.V.
  • IBCRM – Institut für Business Continuity & Resilience Management e.V.

Weitere Verbände wirken am Arbeitskreis mit und werden hier nach Freigabe ergänzt.

Mitwirkende im Arbeitskreis

  • Dirk GrößerUnternehmensberatung Dirk Größer
  • Donald OrtmannDonLuigi IT-Service
  • Igor SokolovISMS Werkstatt
  • Jan RogallTransferstelle Cybersicherheit im Mittelstand
  • Katrin TheuerkaufRTL Tech
  • Leon HaußknechtRSG Group
  • Nikolaos PapanikoloudisNP-Cybersec
  • Philipp Lüdtke
  • Ron KneffelCISO Alliance / IBCRM
  • Stefan HänschBerliner Volksbank
  • Theo NickHiSolutions AG
  • Thorsten Rödelde-dsb
  • Ulrike GlödeDonLuigi IT-Service
Mitmachen

Hören Sie auf zu hoffen. Fangen Sie an zu wissen.

Ein Bewertungsrahmen wirkt nur, wenn er breit getragen wird. Die Mitwirkung steht Verbänden, Behörden, Hochschulen und fachlich einschlägigen Organisationen offen – in drei Stufen.

1

Kommentieren

Einzelne Versionen kommentieren – ohne weitere Bindung.

2

Mitarbeiten

Dauerhaft fachlich im Arbeitskreis Lieferantensicherheit mitwirken.

3

Mitgestalten

Perspektivisch die Governance von MARA mitprägen.